Ostalgie pur in Alfeld
Jul 10th, 2007 | By mcmatten | Category: Artikel, MusikViele Alfelder hatten schon lange darauf gewartet – und dann waren sie wirklich da. Die Puhdys – das ostrock Urgestein schlechthin – hatten Alfeld tatsächlich gefunden und rockten mit über 2000 Zuschauern die Hackelmasch.
Als um kurz vor 18 Uhr eine graue Wolkendecke den Himmel schmückte und die ersten Menschen an der Kasse ihre Karten zurückgeben wollten, machte sich bei den Organisatoren des Megaevents doch etwas Unruhe breit. So drohte das Wetter ihnen doch im letzten Moment noch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Doch als die Wolkendecke dann aufriss, die Sonne sich langsam ihren Weg bahnte und der Eingang zum Veranstaltungsgelände belagert wurde, konnte es doch noch gut los gehen. Schnell wurden die erste Reihe (und die Bier- und Imbissbuden) erobert und langsam füllte sich der Platz. Letztendlich fanden rund 2000 Besucher den Weg in die Hackelmasch und es kam schon ein wenig Festivalfeeling auf – hatten doch die 2000 Besucher hier zusammen auch in etwa das Gesamtalter von 10.000 Hurricane-Besuchern. Hier war die Aufgabe schließlich auch, alt wie ein Baum zu werden.
Bevor die Puhdys starten konnten, waren zuerst noch die Youngsters aus Alfeld an der Reihe. Diese hatten bei der Premiere vor einem solch großen Publikum sogar ihren eigenen Fanclub dabei. Sänger Micha sollte auf der Stelle 16 Kinder zeugen und fühlte sich damit – zu Recht – wohl leicht überfordert. Als dann auch noch Unterwäsche – auch hier ließ sich das Alter der anwesenden Fans nicht leugnen – auf die Bühne flog, war er zeitweise etwas aus dem Konzept. Wenngleich die Übergänge zwischen den einzelnen Songs teilweise etwas lang und einige Titel sehr ruhig und deshalb für eine Vorband, die das Publikum anheizen soll, vielleicht etwas fehl am Platze waren, zeigten die sieben Jungs und ihr „Sahnestück“ Dany eine gute Leistung, mit der sie ihre Fangemeinde wohl noch weiter aufgestockt und ihren Bekanntheitsgrad um einiges gesteigert haben. Spätestens der Wind, der durch das fluffig leichte (und sicher frisch gespülte) Haar von Micha und Dany wehte, dürfte bei diesem Anblick, Löwenmähnen gleich, auch den letzten Tierfreund auch ihre Seite gezogen haben.
Nach der Umbaupause kam dann Moderator Stephanus Fischer, der zuvor schon für die Eröffnung zuständig war, auf die riesige Bühne und stimmte ein Geburtstagsständchen für Puhdys-Bassist Bimbo an. Jetzt endlich konnte es los gehen. Die Fans wurden auch schon langsam wirklich ungeduldig. Die Bühne wurde eingenebelt und in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Langsam verschwand die Sonne am Horizont, so dass die faszinierende Lichtshow auch gebührend zur Geltung kam. Und dann schritten die „alten Herren“ auf die Bühne.
Bei den ersten Songs stellte sich schnell heraus, wer hier wirklich Puhdyfan war, wer nur „Alt wie ein Baum“ kannte und wer einfach nur da war, um dabei zu sein, wenn in unserer kleinen Leinestadt ein Event dieser Größe stattfindet. Hauptsächlich die ersten Reihen waren textsicher und von Anfang an voll in ihrem Element. Weiter hinten war eine kleine Aufwärmphase nötig. Nachdem sich aber am Bierstand ausgiebig gedehnt wurde, konnten die warmen „Muskeln“ auch endlich ihrem Job nachgehen.
So kam dort erstmals beim Ostrock-Medley aus Songs verschiedener Bands der ehemaligen DDR Bewegung in die Menge. Natürlich warteten alle noch auf das Highlight des Abends, zu dem die Bühne in grünes Licht getaucht wurde. Der typische Gitarrensound ertönte und ein Ruck ging durchs Publikum. Jetzt waren alle voll dabei und gröhlten „Alt wie ein Baum“ fast alleine, so dass Bimbo, Quaster, Eingehängt, Maschine und Klaus hauptsächlich die Begleitung übernahmen. Zur Freude der Band hielt die Stimmung danach dann auch weiter an. Nach zwei Stunden war trotzdem Schluss. Ein weitere Höhepunkt war „Hey wir woll’n die Eisbärn sehn“, was als eine mehrerer Zugaben gespielt wurde. Blauer Nebel auf der Bühne ließ Nordpolfeeling aufkommen und da das Wetter sich bis jetzt gut gehalten hatte, war auch kein plötzlicher Wintereinbruch mehr zu befürchten. So konnten noch einmal alle gemeinsam die Eisbärn gern haben.
Zur Aftershowparty ins Sound zog es dann aber wohl eher nicht mehr ganz so viele. Dennoch zeigte sich Organisator Heiko Rudolph, der das Rockevent gemeinsam mit Henning Greve auf die Beine gestellt hat, sehr zufrieden. Die Veranstaltung sei sehr gelungen und mache Lust auf mehr, stellte er stolz fest. Besonders beeindruckt war er davon, dass 2000 Menschen einen ganzen Abend lang friedlich zusammen gefeiert haben.
Und deswegen laufen auch bereits die Planungen für das nächste Jahr. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Alfelds wurden gleich mehrere Acts angefragt. Die Band Karat habe bereits fest zugesagt und auch bei Nena, BAP und Udo Lindenberg laufen Anfragen. So scheint sich Sieben-Berge-Concerts zu einer festen Größe in der Alfelder Veranstalterszene zu entwickeln und alle Alfelder können sich auf viele weitere Events dieser Größe, die für Alfeld doch schon etwas Besonderes ist, freuen.