Open Flair 2007

Aug 23rd, 2007 | By | Category: Artikel, Kultur, Musik

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„Also ihr nicht mehr“ – und dann steht man dort. 3 1/2 Tonnen unter dem Allerwertesten und dennoch obdachlos. Wie bestellt und nicht abgeholt nach Aldi, Autobahn und nicht enden wollender Schlange. Und nun? Der Campingplatz ist voll und es geht eine weitere Runde durch die Stadt, die an diesem Wochenende um einen neuen Stadtteil reicher ist: Das Open Flair.

„Also ihr nicht mehr“ – und dann steht man dort. 3 1/2 Tonnen unter dem Allerwertesten und dennoch obdachlos. Wie bestellt und nicht abgeholt nach Aldi, Autobahn und nicht enden wollender Schlange. Und nun? Der Campingplatz ist voll und es geht eine weitere Runde durch die Stadt, die an diesem Wochenende um einen neuen Stadtteil reicher ist: Das Open Flair.

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Über die Tränenbrücke gemogelt, besorgt auf die Werra geschaut, die den Anschein machte, als wollte sie jeden Moment über das Ufer hüpfen, hinein ins Getümmel. 5 Bugs aus Berlin spielten auf und zeigten denen, die es schnell genug geschafft hatten, was die Bundeshauptstadt zu bieten hat. Und noch während tausende Festivaljünger vor den Toren der kleinen Werra-Insel auf ihr Bändchen warten mussten, zeigten die verpoppten Rocker von der Spree, was eine Wall of Death ist.

Nur ungefähr ein Lahmacun (das sind zwei Pizzen oder einen halben Crepés) später war Kalifor-nien angesagt. Die Mad Caddies bliesen was das Zeug hielt. Ska, Punk und ein Himmel, der den Regen zum Glück noch etwas bei sich halten konnte, brachte nicht nur den Jungs eine Menge Spaß, sondern ließ die große HR3 Bühne zum ersten Mal voll werden. Brandneue Songs, die Popos wackeln lassen, waren augenscheinlich genau das Richtige, um die eingerosteten Füße auf dem Gelände geschmeidig zu machen.

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Das wiederum merkten wohl auch die Jungs von Madsen, die – meiner bescheidenen Meinung nach – den bisher besten Auftritt ever hinlegten (zumindest soweit wir dabei waren :). Neue und alte Songs mit grandioser Stimmung vorgetragen, war die korrekte Entschuldigung für den letzten Flair-Besuch, der – betrunkenerweise – eher mau ausfiel. Doch spätestens jetzt war das Festivalfeeling bereit auszubrechen. Das Kribbeln im Bauch, das Jucken in den Füßen und das leicht einsetzende Kratzen in der Kehle waren da!

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Das bekamen auch Muff Potter zu spüren. Es gibt Bands, die muss man unbedingt einmal gesehen haben. Bands, die ein tierisches Verlangen wecken. Bands, die aber einfach nie in der Nähe sind. Bands, die dann plötzlich auf einem Festival auftauchen und denen dann erst klar wird, wie viele Fans sie eigentlich wirklich haben. Wenngleich es auch „Musik für Mädchen“ sein soll, die die Jungs dort von der Bühne ließen, so gingen doch verdammt viele „Kerle“ darauf ab. Die kleine Bühne brannte – nach den 5 Bugs zum zweiten Mal am Freitag!

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Doch all dies, nur ein Vorgeschmack, nur Geplänkel, nur ein laues Windchen, das den Tornado ankündigte. Endlich riss der Himmel auf, endlich platzte es heraus, die Abkühlung auf die erhitzten Körper, die vor der Bühne die Beatsteaks feierten. Es war der Tropfen, der auf dem heißen Stein verdunstete, während der Spannungsbogen hin zu den Zugaben bis zum zerbersten gespannt wurde. Und dann, mit Let me in, Hand in Hand und allem, was die Beatsteaks zur derzeit wohl besten deutschen Liveband macht, ging der erste Festivaltag (zumindest für mich) zu Ende. Nass, bis auf die Unterwäsche, die Socken von den neuen Schuhen eingefärbt und irgendwie war es kalt…

Nachdem der Samstagmorgen weiter verregnete (irgendwie war es seit den Beatsteaks scheinbar nicht ein Mal trocken geworden), waren es lediglich die Nudeln, die etwas Wärme brachten. Es geht doch nichts über trockene Füße und – tada – Nudeln im Magen!

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Je nach Wetterbericht hätte es zwar gar nicht, alternativ auch nur kurz regnen sollen, davon wusste aber augenscheinlich das Wetter nichts. Erst am frühen Nachmittag war es möglich, einmal den Kopf herauszustecken und sich langsam zum Gelände zu begeben, wo Benzin auflegten. Kurzfristig eingesprungen, war hier das nächste Highlight des Festivals auf der Bühne. Und zwar nicht nur, weil es absolut unerwartet war. Mehrstimmiger Pop-Punk-Rotz aus Ulm war es, der die Zuschauer feiern und die Texte auswendig lernen ließ. Da konnte der Sänger schon einmal seine Zeilen vergessen und sich der übermütige Gitarrist auf seinen Hosenboden setzen – peinlich ist etwas anderes! Hier war Show!

Eher nicht so, als nur kurze Zeit später ein Jugendtraum zerstört wurde. Was noch vor wenigen Jahren die Parties, die Schulzeit und den Walkman (ja, das mit den Kassetten, liebe MP3-Generation ^^) bestimmte, war live eher eine Enttäuschung. Vielleicht war die Erwartung zu groß, aber das, was dort von den H-Blockx von der Bühne rauschte, erschien irgendwie „lahm“ und hatte mit der Musik wenig gemein, die doch daran erinnern sollte, dass früher alles irgendwie besser war. Früher, als Pickel und Hausaufgaben die einzigen Probleme waren, die man mit aggressiver Musik bequem wegspülen konnte.

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Da ging es ja fast bei den nächsten Bands auf der kleinen Bühne, Karpatenhund und den Monsters of Liedermaching, mehr zur Sache. Besonders, da die Liedermacherszene derzeit ohnehin blüht. Fast schon penetrant nervtötend gibt es für die Liedermacher-Fans kaum etwas anderes, als Gesang und Gitarre, Mikrophon und DI-Box, Texte, die oftmals nur im Suff entstanden sein können. Aber hier kam noch Tradition dazu – denn Open Flair ist auch Monsters-Zeit. Und das merkte man.

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Schade nur, dass Bela B. diese Stimmung nicht mitnehmen konnte. Bei den Ärzten die Rampensau aus der letzten Reihe, knallte es hier nicht. Klar, die Fans vor der Bühne feierten ihr Idol. Gekonnt und kühl an der ungewohnten Gitarre, aber der „BAM!“-Effekt hat gefehlt. Erst bei den bekannten Singles fing die Menge an zu dampfen, überzeugte mit den schon fast heiseren Stimmen und ließ der kühler werdenden Luft keine Chance.

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So war bei den Films auch nur eine kurze Verschnaufpause angesagt. Jetzt sollten schließlich die Komplimente folgen, Antrieb und Schwung von der Bühne schallen, die Weltmeisterschaft besungen und zum Mond gereist werden. Lustig wurde es, als zum Wellenreiten angesetzt wurde. Nein, liebe Kinder, das ist kein neuer Song. Es gibt eine Zeit vor Burli. Und für die ganz kleinen: Nein, die Sportfreunde haben sich nicht erst zur WM 2006 Aufgrund einer merkwürdigen mathematischen Gleichung gegründet. Diese Jungs waren schon immer einfach nicht die erste Wahl. Auch, wenn es Leute gibt, die noch schlechter singen…

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Jetzt stand der Flair-Besucher übrigens vor der Wahl. Vor die kleine Freibühne, wo die Ex-Guano-Apes Jungs von iO losrocken sollten, oder schon einmal in das Zelt kämpfen, wo Götz Widmann mit den Monsters of Liedermaching zusammen das Wasser von der Decke tropfen ließ? Der Schlag mitten ins Gesicht vor der Freibühne gab mir recht – metallisch, hart, brutal und doch „kommerziell“ genug. Mit iO wächst etwas heran, das ab der ersten Sekunde an Spaß macht. Rock‘n‘Roll!

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Tag 3 – verkatert und müde. Dafür: Sonnenschein! Ja fast schon zu heiß (aber man will sich ja nicht beschweren) war es, als die Sonne an den Fußsohlen kitzelte, nur um zu signalisieren, dass man sein bestes Stück aus dem Bett heben sollte! Also ab in die Stadt und die schöne Eschweger Fußgängerzone genießen. Schließlich war ja noch ein wenig Zeit, bevor die Ohrbooten das Festivalgelände in Schwingung versetzten. Straßen-HipHop, der entfernt an eine Mischung aus Seeed und Culcha Candela erinnerte. Nur eben einfach draußen. Schwer beschreibbar und absolut erlebenswert.

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Ähnlich auch Lost Alone, die auf der HR3 Bühne den Anschein machten, als würde sie der nächste Windzug einfach mitnehmen. Doch die aggressive Mischung aus Rock, Pop und Indie lockte den ein oder anderen erst skeptisch blickenden Besucher an. Vielleicht auch einfach, weil hier die ersten Fans auf Mando Diao warten wollten. BAM! Hier war er, der Knaller des Festivals. Nach den Beatsteaks am Freitag, rockten die Schweden so brutal los, dass Hören und Sehen vergehen musste. Auch wenn sich nicht jeder auf die großartigen Jungs einlassen konnte (´nech York), muss man den Veranstalter nur beglückwünschen. Drei Abende – drei Knaller!

Und dabei war der Sonntag ja noch gar nicht vorbei – denn jetzt kamen schließlich noch Negative und Gentleman. Dabei sind erstere schnell abgehandelt: Nachdem in den Graben gerotzt und ein Kollege getroffen wurde, wird diese Band ab nun nämlich geächtet!

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Gentleman hingegen, der für uns den Abschluss bilden sollte, war weit von diesem asozialen Verhalten entfernt. Cool, lässig, freundlich sprang der Funke von der Bühne über. Ein fast schon intimes Verhältnis entstand zwischen dem entspannten Publikum und dem dynamischen Mann auf der Bühne. Dancehall, Raggae und der typische Gentleman-Style bewegten die Massen vor der Bühne – so, wie es sein sollte, damit wir auch nächstes Jahr nicht nur kraftvoll zubeißen, sondern sicher sind: Open Flair 2008, „da simma dabei“.

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