Laut, emotionsgeladen, ehrlich,…
Okt 28th, 2007 | By mcmatten | Category: Artikel, MusikEs ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn sich die Menschenmassen versammeln, um gemeinsam einer Sache zu frönen, die alle Empfindungen dieser Erde zu beschreiben vermag: Musik! Gut, laut, emotionsgeladen, ehrlich, enthusiastisch.
Es ist kurz nach acht, es ist Samstagabend und in Kürze soll es losgehen. La vela Puerca fangen an zu (ver)zaubern!
Noch bevor die Türen öffnen, trifft man alte Bekannte, Weggefährten, Freunde und spürt, dass dies einer der Abende ist, an denen man merken soll, wie schnell die Zeit vergeht, wie alt man inzwischen geworden ist – und was aus denjenigen geworden ist, die dem eigenen Empfinden nach gestern erst die Milchzähne verloren haben.
Über 150 musikbegeisterte Alfelder – die, die es sind; die, die es werden wollen; die, die es waren; die, die es immer sein werden – haben sich eingefunden, um gemeinsam und friedlich eine Band zu feiern, die sicherlich langsam zu realisieren beginnt, was sie mit ihrer Musik anrichten, welche Begeisterung sie wecken, wie sie die Zeit still stehen lassen.
Und so ist es fast schöner, die Menschen zu beobachten, wie sie singen – nicht einmal der Sprache mächtig, die dort aus den Lautsprechern schallt – in der Luft trommeln, in Gedanken die Saiten zupfen, mit den Füßen wippen, tanzen, springen und vor allem ausgelassen sind, als das Treiben auf der Bühne zu erhaschen. Der energiegeladene Unhold ist es, der auf der kleinen und gemütlichen Treffbühne jeden Ton seiner Mitstreiter durch seinen drahtigen Körper zucken lässt und damit die gefrorenen mitteleuropäischen Seelen auftaut, ja gar baumeln lässt.
Auf der Bühne selbst hat kaum die Band Platz, schon gar nicht die Crew, die eilig Instrumente tauscht, mit Taschenlampen auf die Setliste leuchtet und stets darauf achtet, dass keiner der Musiker auch nur eine unnötige Bewegung machen muss. Das würde sie auch nur davon abhalten, sich voll auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Sich in ihrer Gänze dem hinzugeben, das diesen Abend im Mittelpunkt stehen soll: Die Musik!
Angefangen in der Gegenwart mit Clones vom neuen Album El Impulso bis weit zurück zu begehrten Klassikern wie Paren Hoy vom Album La Vela Puerca, das bereits 1999 erschien, lassen die Jungs keinen Hit aus. Hit, wie das klingt für eine Band, die gefühlt auf die Treffbühne gehört. Auch wenn es ein merkwürdiges Gefühl ist, mit 150 Besuchern stolze 80.000 Open Air Besucher zu ersetzen, so lässt es sich doch so viel besser vorstellen, dass diese Band nur für einen selbst spielt, auch wenn es das wohl letzte Mal in Alfeld gewesen sein wird. Aber gut – das haben wir schon zwei Mal gedacht.