Fährmannsfest erstmals ausverkauft

Aug 5th, 2009 | By | Category: Artikel, Kultur, Musik

Am ersten Augustwochenende verwandelte sich das Weddigenufer in Hannover wieder einmal in ein buntes Festivalgelände für die ganze Familie. Zum 26. Fährmannsfest kamen nicht nur hochkarätige Bands, sondern auch Besucher aus ganz Deutschland und es war so voll, wie nie zuvor.
Nachdem am Freitag Nachmittag, mit Ausnahme von Hämatom, hauptsächlich hannoveraner Bands das Programm füllten, bevor die Briten von Ten Years After als Höhepunkt des Tages dem Publikum einheizten, war das Gelände am Samstag schon zu Beginn gut gefüllt. Das Fährmannsfestmotto „Bunt statt Braun“ wurde allerdings nach und nach zu „Schwarz statt Braun“, denn je später der Abend, desto mehr Schandmaul-Fans strömten auf das Gelände.

Gleich zu Anfang gab es den „Fährmannsfest-Ska-Doppelschlag“ mit Merry Go Round aus Göttingen und den Skanutz aus Braunschweig. Beide Bands schafften es, das Publikum schon zu früher Stunde zu begeistern und ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Die darauf folgenden Frames kamen mit ihrem Instrumental Rock allerdings etwas zu melancholisch daher und konnten die Stimmung nicht halten.

Umso energiegeladener bestritten dafür dann My Enemies 12 Mistakes ihren Auftritt. Die Nienburger bezeichnen ihren Stil selbst als Pop’n’Core und vereinen dabei Rock, Pop, Hardcore und Metal. Auf der Stimmung, die auf dem inzwischen schon recht vollen Gelände aufgekommen war, konnten anschließend Fat Belly aufbauen. Mit eingängigen Songs mit Druck, aber trotzdem melodisch konnten die Jungs die Freude, die sie offensichtlich selbst an ihrer Musik haben, schnell aufs Publikum übertragen.

Während anschließend Mr. Irish Bastard durchstarteten und die, inzwischen komplett schwarze, Meute perfekt auf den heutigen Headliner einstimmten, fand auf der anderen Seite des Flusses der Poetry Slam statt. „Da drüben ist Rockkonzert und ihr sitzt hier und hört Literatur“, ein Stück weit unglaublich, aber genau diese Vielfältigkeit macht das Fährmannsfest aus. Rockkonzert am einen Ufer, Kulturbühne am anderen Ufer, direkt daneben der Kinderzirkus und ringsherum das Kulturfest.

Als die Kulturwiese aber dann immer voller wurde war schnell klar, dass die Leute in den Schandmaul-Shirts eigentlich ans andere Ufer wollten, aber nicht mehr über die Brücke gelassen wurden. Das Fährmannsfest war erstmals ausverkauft und die Wiese vor der Bühne war so voll ,wie noch nie. Dementsprechend fielen auch der Applaus für die Irish Bastards und die anschließenden Schandmaul-Chöre aus.

Schandmaul selbst brachten die Stimmung der schwarze Meute dann endgültig zum Überkochen. Sie bewiesen eindrucksvoll, dass sie zu Recht für den Ausverkauf gesorgt hatten. Mittelalterliche Klänge und eine gehörige Portion Rock, unterstrichen durch eine faszinierende Lichtshow drangen durch die Nacht und verliehen dem Fährmannsfest-Samstag die Krönung.

Der Sonntag begann mit Liquor Stor, die mit Indie-Rock einen guten Auftakt boten. Anschließend war Der Schulz an der Reihe. Der charmante Singer/Songwriter wurde diesmal durch Bassist Fritz und Drummer Andreas unterstützt und spielte sich sofort ins Herz des Publikums. Die Jungs von Fonotone schlugen danach eine ganz andere Richtung ein. Aber auch ihr Jazz Funk Hip Hop fand Anklang beim, heute wesentlich bunter gemischten, Publikum.

Ein absolutes Highlight waren anschließend Caracho. Drei Blondinen mit Schnauzbart, eine Katze und eine unfassbare Bühnenshow. Die drei Hamburger und ihre Miezekatze an den Plattentellern überzeugten nicht nur mit ihrer Musik, die im Bereich Elektropunk angesiedelt ist, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Beklopptheit, die sie auf der Bühne wunderbar auslebten.

Schade, dass auch heute die einzige reine Instrumentalband etwas ungünstig gelegt war. Obwohl die Noetics ihre Sache gut machten, konnten sie die Stimmung, die Caracho vorgelegt hatten, mit ihrem Progressive Rock nicht halten. Doch als anschließend die Blumen auf die Bühne kamen, war die Stimmung sofort zurück. Love, Peace und vor allem Flowerpower waren das Motto, denn diese Band lebt den Hippiekult, als wäre er nie weg gewesen. Die Lokalpatrioten begeisterten auf ganzer Linie und legten den idealen Grundstein für das folgende Finale mit Boppin’B.

Boppin’B, die Scheißkapelle aus Aschaffenburg, startete sofort voll durch. Rockabilly vom Feinsten, der Geist des Rock’n’Rolls der Fünfziger-Jahre und fünf wahnsinnige Musiker mit viel Leidenschaft und Energie brachten die Menge noch einmal zum Kochen. Egal, ob Leadsänger Michael, der mit Sexappeal und lauter Stimme überzeugte, der wahnsinnige Bassist Didi, der seinen Kontrabass einmalig und in allen Lebenslagen spielt, Gitarrist Golo, Meister der Haarakrobatik, Saxophonist Frank, dem nie die Puste ausgeht, oder Drummer Thomas, einer der wenigen stehenden Schlagzeuger, der sich nicht in den Hintergrund verkriecht, sondern an vorderster Bühnenfront mit rockt — diese Band ist einfach einmalig und der pure Wahnsinn.

So ging dann das diesjährige Fährmannsfest zu Ende und es dürfte schwer werden, das Programm im nächsten Jahr noch zu toppen. Wir sind auf jeden Fall gespannt.

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