Männer wie uns – Das Review
Nov 7th, 2006 | By mcmatten | Category: Artikel, Kultur, Musik
Drei Jahre ist es nun schon her, da taten sich sechs Liedermacher aus ganz Deutschland zusammen, um gemeinsam Musik zu machen und Bühnen zu erobern…
Drei Jahre ist es nun schon her, da taten sich sechs Liedermacher aus ganz Deutschland zusammen, um gemeinsam Musik zu machen und Bühnen zu erobern – nicht mit viel Elektronik, Schlagzeug und Band-Hierarchie, sondern mit klassischen Wandergitarren, kräftigen Stimmen, viel Witz und jeder Menge Party-Potential. Die Monsters of Liedermaching waren geboren und mit ihnen die erste Liedermacherband Deutschlands.
Ein Jahr später brachten Burger (Frontmann der „Schröders“) aus Bad Gandersheim, Fred Timm (ex „Norbert und die Feiglinge“) aus Hamburg, Rüdiger Bierhorst aus Berlin, der Flotte Totte aus Köln und das Hamburger Duo „Frische Mische“ ihr erstes Live-Album raus. Mit dem Titel „6 Richtige“ löste es schnell Begeisterung bei der inzwischen gewonnen Fangemeinde aus.
Nun, weitere zwei Jahre später, hat sich viel getan. Totte wohnt jetzt in der Hamburger Monster-WG bei Fred, Burger ist inzwischen stolzer Papa, Fred hat ein neues Auto, wir haben eine Bundeskanzlerin, die Monsters haben drei Mal in Folge das Open Flair gerockt, die Fangemeinde ist gewachsen, die Monsters sind enger zusammengewachsen und haben endlich ein zweites Album veröffentlicht – Männer wie uns!
Wieder besteht es aus Live-Mitschnitten, um das typische Monsterfeeling besser rüberzubringen. Und wieder sind es zwei CD’s geworden, da zu viel, zu gutes Material für nur einen Silberling da war. Und als ob das nicht genug wäre, packen die Jungs noch eine DVD oben drauf, die viel Aufschluss über den Werdegang der Monsters gibt und ganz klar zum Schmunzeln einlädt.
Ich lege die erste CD ein und schon befinde ich mich mitten im Geschehen. Totte gibt noch schnell einen Spruch zum Besten und während er dann von seinen Zwergen singt und rappt, habe ich vor dem geistigen Auge schon die einzigartige Monster-Choreographie, bei der sich die restlichen fünf jedes Mal aufs Neue ihrem Zwergenkönig unterwerfen.
Danach folgt dann die offizielle Begrüßung aus der Fred mit Zu meiner Band direkt in das Duell „Freundin vs. Monsters“ übergeht, aus dem die Monsters natürlich als klarer Sieger hervorgehen, was das Publikum mit Monster-Gegröhl nur bestätigen kann. Mit Frösche weinen nie bringt Burger dann einen alten Schröders-Klassiker, den die Fans – in dem Fall in Hannover – eigentlich auch alleine singen könnten, was sie in der letzten Strophe schlussendlich auch dürfen. Laut Burger kennen sie den Text eh besser als er. Frische Mische stellen im Anschluss fest, dass manche Menschen beim Reden lieber die Schnauze! halten sollten, bevor sie gemeinsam mit Biene Bertha bzw. Burger für die Frühlingsgefühle sorgen, die Rüdi sich dann in Frühling wünscht und mir dabei selbst per CD noch eine Gänsehaut verschafft.
Und Burger setzt gleich noch einen drauf: Mit seinen Sorgen um Frau Merkels vereinsamten Wellensittich löst er sowohl bei Publikum, als auch bei mir Begeisterung aus. Das tut auch Rüdi, wenn er den Betroffenheitssongwettbewerb singt, mit dem er gerne mal Xavier Naidoo verarschen würde und dessen Melodie ihn selbst so sehr an Funny van Dannen erinnert, dass er besagtem gleich eine Strophe gewidmet hat. Den Abschluss macht Fred mit der Schönheitschirurgie – womit er nicht nur beweist, dass auch „Feiglingsongs“ noch immer ziehen, sondern auch, dass gerade dieser uralte Song von Jahr zu Jahr aktueller wird. Danach klingt die erste CD dann in Hamburger Fanchören aus.
Doch was wäre eine CD schon ohne Hiddentrack? Genau. Also hält Hobbyschreiberling Totte noch eine Überraschung bereit: Ein Auszug aus seinem ersten Roman über Hände – er ist der festen Überzeugung, dass es nicht seine eigenen sind. Die Aufnahme ist übrigens beim einmaligen Katerkonzert am 1. Mai in Hamburg entstanden.
Platte Nummer 2 eröffnet Burger mit dem Song über die Ursache, denn Ich bin tot soll offiziell erklären, was die „verstrahlten Typen auf der Bühne“ da eigentlich tun und wieso sie es so tun. Beim Thema bleiben dann Frische Mische, wenn Börnski sich in Jack den Mörder verwandelt und dem Hörer kalte Schauer den Rücken herunter jagt. Ruhiger wird es erst wieder bei Blauer alter Freund, Freds erstem Beitrag zum traditionellen ruhigen Part, in dem er die Trauer über den Verlust seines Golfs verarbeitet hat. Rüdi hält die Stimmung, wenn der sich dann bei Mona besoffen durch die Nacht heult und Melancholie verbreitet, bis er letztendlich schnarchend einschläft.
Den perfekten Stimmungsumschwung schafft danach Burger als Sexkranker Expunker mit Rock’n’Roll für Looser. Nur Totte muss sich später wieder ausheulen und mit Systemficker um Sex betteln, um die Zeit seines unfreiwilligen Zölibats endlich zu beenden. Den krönenden Abschluss machen Pensen und Börnski mit Ich muss weg, worauf noch ein paar Minuten Applaus und Fanchöre folgen, wodurch man sich sofort das nächste Monsterkonzert herbeiwünscht. Das letzte Wort hat schließlich Burgers kleine Emily, die diesmal für den Hiddentrack verantwortlich ist.
Über die DVD möchte ich an dieser Stelle noch nichts verraten, die sollte man sich lieber selbst ansehen. Lohnen tut es sich auf jeden Fall – bietet sie doch inklusive Bonus-Material ein abendfüllendes Programm. Und wer danach immer noch keine Lust auf „Monsters Live“ hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Die „Männer wie uns“ gibt es im Shop auf www.monstersofliedermaching.de oder direkt beim Konzert am 10.11. in der Unimensa in Hildesheim, wofür man sich noch schnell ein paar Karten sichern sollte: monsterkarten@gmx.de