PENG! Das Local-Derby!

Nov 13th, 2006 | By | Category: Artikel, Musik

Ein Festival braucht einen Headliner. Doch nun ist das Local Derby kein wirkliches Festival und braucht deshalb auch keinen – genau! – Headliner. Weit gefehlt, der Hammer kam nämlich zum Schluss. So, wie es sich gehört!

Es war das 11. Local Derby – standesgemäß am 11.11. und auch wenn es nicht um 11:11 Uhr anfing und wenig mit Karneval am Hut hatte, so war es dennoch ein riesiger Zirkus, der dort am gestrigen Abend in die Werkshallen von Mercedes Dreyer verlegt wurden.

In aller Kürze könnte man diesen Artikel eigentlich damit abschließen, dass alles nur ein müdes Vorgeplänkel vor einem großartigen Headliner …and still i bleed war. Doch da dies leider nur die Halbe Wahrheit wäre und dem geneigten Leser böse und wunderbare Überraschungen vorenthalten bleiben würden – wenn er nicht selbst die Beine in die Hand genommen und sich vor die Bühne bewegt hat – wir der Erlebnisbericht dieses Abends doch etwas ausführlicher ausfallen. Wäre doch schließlich auch gelacht, wenn es ein Local Derby gäbe, das nicht zu begeistern weiß, oder?

Doch so einfach ist es ja nun auch nicht. Das „poppige“ und damit auch massenkompatible – was der Großartigkeit beider Bands nicht entgegen sprechen soll – von Mo`Rain und 20/20 Vision (ex. Generation Fuck) fehlte gänzlich. Und das nicht nur im Programm des Abends, sondern auch den Ohren und Herzen der heran gereisten (oder auch ferngebliebenen?) Fans. Diese Lücke sollte gefüllt werden und damit lagen alle Hoffnungen auf… ja auf wem nur?

Ok, ok – es war eingangs ja schon erwähnt, auf die (immer noch) Blutenden. Doch da diese erst am Ende losfeuern sollten, und man am Ende ja schließlich nicht beginnt (außer beim Kuchenessen, um sich das Beste für den Schluss aufzuheben oder bei der Bratwurst, da sie ja nichts als Enden hat), springen wir mit einem fröhlichen Satz über Tito Day Inn und Embutido, die sich zwar musikalisch wirklich weiterentwickelt haben und live ungefähr 1000 Mal besser klingen, als es die Samples auf MySpace vermuten lassen, beim Songmaterial aber früher irgendwie differenzierter schienen, und Seasonsky aus Freden, hinweg zu Aenigma.

Wem’s gefällt, CD kaufen, 3 Euro! Wem’s nicht gefällt – Tschüss!“ und es wird losgeprügelt. Entgegen dem letzten Jahr, haben die Jungs von Aenigma dieses Mal etwas für Auge (und Ohr) mitgebracht. Mit zweiter Sängerin und der „alten Geige“ von The 6th Tradition im Gepäck, grunzte Sänger Sascha los und erfüllte die Werkshalle. Auch wenn man ihnen ansah, dass sie nicht vollends zufrieden waren, war das Publikum zum ersten Mal an diesem Abend außer sich – und Pannen in der Technik hatten auch noch andere Bands im Laufe des Abends wegzustecken.

Nach Netzt aus Grünenplan folgte die nächste Überraschung bei Fuße. Henning von Under Siege war nicht mit auf der Bühne und ich hätte nie gedacht, dass mir seine abendfüllenden Ausführungen, Erzählungen und Moralpredigten einmal fehlen würden. Vielleicht lag das aber auch einfach nur an den Überflüssigkeiten und Seitenhieben des neuen Erzählers der Band, der Coolness und dümmliche Arroganz zu verwechseln schien. Dabei hätte man doch vielmehr darauf hinweisen können, wer dort als Ersatz für Henning auf der Bühne steht und welch weiten Weg er für das Alfelder Publikum auf sich genommen hat: Herzlich Willkommen, Dan von A Traitor Like Judas.

Dan sollten wir auch gleich wieder bei Code Of Honour sehen. Hier jedoch am Bass, ist doch der frischgebackene Papa Gordon der Mann am Mikrofon. Doch das Hardcore-Zweierpack, bestehend aus Under Siege und COH schaffte es an diesem Abend nicht ansatzweise, an den Druck und damit die Begeisterung aus den letzten Jahren anzuknüpfen. Harm- und Lustlos schien es gar zeitweise – merkwürdig.

Ganz anders bei den folgenden Zelyon. Zwar mit einer mitunter komisch anmutenden Bühnenshow des Bassisten (bei der der Headless-Bass auch wirklich nicht förderlich ist!), dafür musikalisch viel weiter vorne. Schade, dass der Band der zweite Gitarrist „abhanden gekommen“ ist. Mehr Bewegungsfreiheit stünde Sänger Marco wirklich besser. Das Engagement, der Druck, die Gedanken und Sorgen der Band sind dafür umso erstaunlicher – und ja, die Bassdrum hatte wahrlich genug Power! Professionelle Show der Hannover-Alfeld-Connection.

Und – bingbing – die nächste Überraschung! Diesmal wieder positiv und von der „Tante LUKA“, besser bekannt als Sheena, das Punkrocker-Girl. Einfach mal was Neues machen und damit den Saal zum Kochen bringen. Der Plan ging absolut auf. Man nehme also eine Handvoll Ramones Songs, ziehe sich Lederjacken an und setze dazu viel zu große Sonnenbrillen auf, um mit den (zu?) engen Ramones T-Shirts an schweißgetränkten Körper sämtliche technische Pannen zu überspielen und einfach Spaß zu haben. Carsten, der Sänger der Combo (wie sie nun auch heißen mag), ließ zumindest durchblicken, dass das nicht der letzte Cover-Auftritt der alten Punkrock-Hasen gewesen ist.

Derart angeheizt, sollte nun der Höhepunkt des Abends folgen. Sicherlich ist klargeworden, dass es bis hierher nicht nur Vorgeplänkel war. „Warte auf still i bleed und du wirst dich fragen, wer Under Siege, Code Of Honour oder wasweißich sind. Diese Jungs haben Spaß, sie haben Songs und sie haben Bock! Sie werden alles umkrempeln“ – ich spitzte meine Ohren und neigte schon vor dem ersten Ton zur einwandfreien Zustimmung. Mit der Veröffentlichung von eyewitness blindfolded bei MySpace haben … and still i bleed ja bereits den Grundstein für einen hammerharten Auftritt gelegt. Ausverkauf der mitgebrachten T-Shirts und Vorschusslorbeeren von unter anderem André (ex-Mo’Rain) und Sascha (20/20 Vision) ließen zusätzlich das Wasser im Munde zusammenlaufen.

PENG! In neuem Bühnenoutfit, geschminkten Augen und einem blitzeblank-rasierten Jasper (soweit man sehen konnte ^^) flogen Papierschnipsel in die Luft, Gitarren über die Bühne und Menschen durch die – ja – Masse! „Wir haben versucht uns weiterzuentwickeln“ – tiefstapeln scheint in zu sein! Wenn die Platte ähnlich kracht, wie dieser Auftritt, dann wird auf diese Jungs einiges zukommen! Auch Sascha als Gast auf der Bühne sollte man zur Gewohnheit machen – eine Show, die sich gewaschen hat!

Nach diesem Auftritt, war es nur noch The Style, die sich der Aufgabe annehmen durften, den „Laden“ leerzuspielen – wobei dies fast gemeiner klingt, als es eigentlich gemeint war. Denn die Jungs nahmen die undankbare Aufgabe nach dem schweißnass-gerockten Saal dennoch an und spielten das elfte Local Derby souverän „nach Hause“.

Danke Local Derby, danke an die Bands, die es möglich gemacht haben! Danke aber auch an Theresa und Nanni (ja, so heißt die „Kleine“, die sich den Arsch aufreißt!) und HG, der sich vom Bühnenrand aus bespaßen lies. Für nächstes Jahr würde ich den 10. November vorschlagen – wer macht mit?

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