ALIVE AT LAST – jetzt neu!
Dez 25th, 2006 | By mcmatten | Category: Artikel, Musik„Tee oder Kaffee?“ – das war die wohl unglaublichste und zugleich merkwürdigste Frage, die ich bei einer jungen – und am Liebsten sogar aufstrebenden – jungen Band erwartet hätte. Waren wir hier trotz Doppelfußmaschine und Flying-V bei den Posaunisten der Herzen gelandet? Trinkt man nicht wenigstens Energy-Drinks, um sich zu Hochleistungen aufzupushen?
Der Gang durch den kurzen Flur führt in einen gut fünfzehn Quadratmeter großen (oder doch besser kleinen?) Proberaum. Fünfzehn Quadratmeter inklusive Waschbecken, Kühlschrank und eben dem Tablett – mit Tee und Kaffee – während über dem Schlagzeug ein Zettel hängt: „Backstage – only for Gerri and the girls„. Hier gibt es also alles, was so dazugehört – auch eine alte Lampe, die an Uroma erinnert und einem – ist es ein Duschvorhang? – zumindest merkwürdigen Vorhang, der die Tür bekleidet.
„Ich habe jetzt einen Sender – selbst gekauft! Nicht, dass du denkst, dass wir die Mamasöhnchen sind, die alles bezahlt bekommen! Und nicht, dass du das schreibst!„, murmelt es aus der Ecke, während Vik seine dicke Harkte Bassbox anschmunzelt und Marv an seinen Fußpedalen herumbastelt. Nein, über schlechtes Material können sich die Jungs wirklich nicht beschweren. Einzig die Behringer Box passt nicht ganz ins Gesamtbild – aber irgendwie muss man wohl gegen sein bedrohlich wirkendes Image ankämpfen.
Seit gerade einmal einem halben Jahr proben die vier Jungs in der derzeitigen Kombination zusammen. Vor gut einem Jahr wurde – ganz ohne Zwang und genau genommen sogar fast ziellos – der Grundstein für „Alive At Last“ gelegt. Über die Zeit davor mögen Viktor und Michi nicht sprechen – sie scheinen ihre Gründe zu haben. „Wie wärs, wenn wir dir erst einmal etwas vorspielen?“ – ja gerne doch. Und schon beim Intro – wirklich, der erste Song heißt Intro, wie man glaubhaft versichert – ist mir klar, warum ich mehrfach erinnert wurde, die Ohrstöpsel nicht zu vergessen. Nein, wirklich nur aufgrund der Lautstärke!
Jetzt, lediglich sechs Tage vor Ihrem ersten Auftritt in Uslar – unter anderem zusammen mit den großen Vorbildern von 20/20 Vision – war es an der Zeit, das Set ein Mal mehr von vorne bis hinten durchzuspielen, sich zu verausgaben und den Arsch abzurocken. Mit Einflüssen aus Emo, einer Prise Metal und (ja, das darf schließlich nie fehlen) dem kategorischen Core geht es gleich kräftig zur Sache. Wer die Demos der Jungs schon cool fand (und findet) wird live gehörig überzeugt sein. Das wagen wir an dieser Stelle einmal vorauszusagen. Spannend vor allem, wie es die Band schafft, ganz unfreiwillig, schon die passenden Klischees innerhalb der Band zu verteilen. Witzig dabei vor allem, dass hier die Charaktere nicht verteilt werden mussten… man ist einfach!
Der zappelige Bassist, der sich nicht zu schade ist, auch durch den kleinen Proberaum zu springen und dabei mit dem viel zu langen Hals (des Basses natürlich) auf die Becken des gelegenheitsschreienden Schlagzeugers einzuprügeln – auch eher unfreiwillig – während der augenscheinlich introvertierte Könner an der Leadgitarre fast angewurzelt vor seinem Amp verweilt – so macht es wohl der wahre Künstler – und der hysterische Sänger neben merkwürdigen Grimassen beim Schreien auch sämtliche Adern von Hals und Gesicht in Richtung Mikrophon schiebt.
Eine halbe Stunde nach „Intro“ sind sie fertig – mit sich, der Welt und vor allem ihrem Set. Zeit, um – an Milch-Mäusen knabbernd – zum Interview zu schreiten und den Jungs etwas auf den Zahn zu fühlen:
Eine neue, aufstrebende Alfelder Band. Seid ihr es, wollt ihr es werden oder ist das einfach der Zwang, dem sich jede Band hingeben muss, wenn sie aus Alfeld kommt? Wie sind eure Ansprüche?
AAL: Natürlich möchten wir aufstrebend sein. Das ist kein Zwang, aber es ist egal ob man aus Alfeld kommt oder aus Berlin. Ohne, dass man sich ordentlich reinkniet kann man heute, in Zeiten, wo es Bands gibt wie Sand am Meer und diese sich auch noch so gut präsentieren können wie nie (Internet…), eh nicht weit. Und wir können nicht von uns behaupten, nur so rumschranzen zu wollen. Wir haben schon Lust, mehr als 2 Konzerte im Jahr zu spielen. Natürlich ist das alles weit weg, trotzdem sind wir sehr gespannt und freuen uns sehr auf das, was kommen kann, ohne da irgend etwas bestimmtes zu meinen. Es ist aber auch wiederum nicht so, dass wir verkrampft darauf achten, anzukommen. Dazu ist das Ganze für uns doch zu sehr mit Spaß an Musik und dem Drumherum verbunden. Es ist also schwer, wenn man ganz am Anfang steht, konkrete Ziele zu benennen, aber erstmal halten wir es für das Wichtigste Konzerte zu spielen und Spaß daran zu haben.
Es sind nur noch sechs Tage bis zu eurem ersten Gig. Ob ihr bereit seid, wäre eine doofe Frage, daher: Worauf freut ihr euch am Meisten?
AAL: Ersteinmal freuen wir uns natürlich endlich mal ein Konzert spielen zu können. Wir malen uns bei den Proben schon immer die tollsten und schlimmsten Szenarien aus. Wir sind aufgeregt, ja. Wir freuen uns darauf, dass wir unser erstes Konzert gleich mit so sympathischen und guten Bands spielen können. Und vor allem darauf, mit einem Haufen toller Leute zu feiern. Viele Freunde machen uns jetzt schon ganz glücklich, indem sie uns ankündigen zu kommen. Natürlich sind wir auch sehr gespannt auf die Reaktionen. Besonders spannend ist für uns auch, dass das erste Konzert nicht im Keller vor 10 Freunden stattfindet, sondern gleich ein Auswärtsspiel ist.
Vor wenigen Wochen war erst das Local Derby – dort war ihr noch nicht dabei. Für das nächste Jahr muss dies doch eigentlich ein festes Ziel sein. Auf eurer Homepage findet man diesen Termin jedoch noch nicht?
AAL: Wir hatten uns, als wir angefangen haben zusammen zu proben, vorgenommen uns keinen Druck zu machen und erst Konzerte zu planen, wenn wir auch wirklich bereit dafür sind. Es ging alles flüssiger, als wir dachten. Also hätten wir es zum Local Derby dieses Jahr noch geschafft, aber die Planungen fingen natürlich Monate vorher an und zu dem Zeitpunkt, wo die Bands bestimmt wurden, waren wir noch alles andere als bereit. Im nächsten Jahr wollen wir natürlich unbedingt dabei sein. Auf der Homepage steht noch nichts, das stimmt, aber sobald die Planungen für das kommende Local Derby beginnen werden wir uns einmischen!
Das klingt gut, aber kommen wir mal von Konzerten zurück zu dem, was sich jeder Fan mit nach Hause nehmen kann: CDs! Wie sieht es da aus? Andere Alfelder Bands lassen sich damit ja nun viel Zeit, wollt ihr zukünftige Fans auch so lange verdursten lassen oder wird es eine schnellere Erlösung geben?
AAL: Dazu kann man leider noch gar nichts sagen. Mich persönlich ärgert es auch immer, wenn Bands, wie z.B. ASIB ihre Platten aufschieben. Aber meistens hat es ja auch logische Gründe. Geld zum Beispiel. Aus dem Stand kann man sich leider keine vernünftige Produktion leisten. Deswegen ist bei uns auch noch nichts geplant. Aber vor haben wir das mit Sicherheit, auch, es nicht ewig hinaus zu zögern.
Nun vielen Dank für die Antworten, dann bleibt uns schlussendlich nur noch Euch viel Spaß und Erfolg in Uslar zu wünschen – vorher dürft ihr natürlich noch wen grüßen 🙂
AAL: Also rückblickend ist es immer einfacher Leute zu benennen, die etwas in die Wege geleitet haben. Deswegen bleibt uns eigentlich nur 20/20 Vision zu danken, dass wir auf ihrem Konzert spielen dürfen und vorallem alle zu umarmen, die am 29. in Uslar frühzeitig vor der Bühne stehen und hinterher mit uns feiern.
Alles klar, und vielen Dank, dass wir euch besuchen durften!
Nur wenige Stunden nach unserem Besuch spielt das Göttinger Stadtradio „Me vs. Myself“ und übersetzt sie mit „Tod am Ende“ – nun, das werden wir noch sehen!
ALIVE AT LAST sind:
Seb – Gesang/Gitarre
Marv – Lead-Gitarre
Breuni – Schlagzeug/Background
Viktor – Bass
Ihre Songs:
Twenty-Four-Seven
Me vs. Myself
Sorrow´s no Defeat
Ihre Homepage:
www.aliveatlast.de
Ihr nächster Gig:
29.12.06 USLAR / Kulturbahnhof
„Stromgitarren Deluxe“ mit 20/20 Vision, Eyesight und Nyu Ray C