Teichrock mit Matrixfehlern
Jul 16th, 2007 | By mcmatten | Category: Artikel, MusikAm Samstag feierte Bad Salzdetfurth bei fast perfektem Wetter das Teichrock Festival. Mit dabei waren Newage, Still Serene, Overdraft, Mikroboy, Daloco, Bitune, Tiny Y Son, Claus Grabke und die großartigen Monsters of Liedermaching.
Die Sonne knallt vom Himmel, der Teich rockt. Overdraft sind gerade fertig und wir suchen uns erstmal einen Platz im Schatten.
Vereinzelte Monsters schlendern gutgelaunt vorbei und scheinen erfreut darüber, dass sie später nicht ganz allein sein sollen, wo hier doch alles ein wenig kleiner ist, als auf anderen Festivals.
Bei Mikroboy ist es dann mit dem Sonnenschein kurzzeitig vorbei und wir erkennen den Sinn eines „Geschirr Mobils“, denn hier kann man sich gut unterstellen, wenn man grad nichts besseres hat. Doch der Wettergott zeigt Erbarmen und tauscht den Regen schnell wieder in Sonne um. Zu Daloco zieht es uns dann wieder vor die Bühne, hier kommt schon ein bisschen Liedermachingfeeling auf, wie er da so ganz alleine, nur mit Gitarre, auf der Bühne sitzt. Irgendwie abgedreht aber dennoch sympatisch. Danach pendeln wir zwischen Bühne und Schatten, bis letztendlich der Schatten siegt, weil Hitze Kopfschmerzen macht.
Aber gerade, als wir es uns bequem gemacht haben, fängt es auch schon wieder an zu regnen. Wird schon nicht so lange dauern und eigentlich ist es ja eh zu warm, also bleiben wir sitzen. Als wir merken, dass es doch länger dauert und wir irgendwie langsam durchweichen, hilft uns auch Tottes Kommentar „Das ist gar kein echter Regen, das ist nur ein Fehler in der Matrix“ nicht mehr wirklich weiter. Zurück vor der Bühne rockt Claus Grabke gerade ordentlich und das Publikum geht gut ab. Besonders die Bassistin zieht viele Blicke auf sich und versüßt den anwesenden männlichen Zuschauern den Abend wohl noch ein wenig mehr.
Es werden Parallelen zum Monstersgig im letzten Jahr auf dem Maschseefest deutlich, wo wir alle mehr als nass waren, und wir befürchten schon das Schlimmste. Aber zum Glück gibt es ja nette Menschen, die Müllsäcke organisieren können, die wenigstens ein wenig vor Regen schützen.
Danach wieder in die Sonne zum Trocknen und sich freuen, dass die restlichen Monsters den Weg vom Hotel wieder zurück gefunden haben, die Wolken verschwinden, es nette Menschen gibt, die Klappstühle und Wein haben und der Tag doch noch perfekt werden kann.
Auch einigen der Monsters, die schon auf ihren Auftritt warten und noch etwas verunsichert wirken. Die Verunsicherung kann auch durch den Soundcheck nicht wirklich vernichtet werden, denn der klappt irgendwie überhaupt nicht. Aber als dann endlich alles einigermaßen stimmt und die Monsters noch kurz hinter die Bühne verschwinden, kommen dann doch Monsterchöre durch, wir merken, dass doch noch recht viele Leute anwesend sind und einige sogar zu wissen scheinen, was sie nun erwartet.
Mit „Marzipan“ werden gleich zu Anfang die Zweifler in der ersten Reihe überzeugt und die Mitsingquote auf ein hohes Niveau geschraubt. Der Grundstein ist gelegt und die Verunsicherung weicht. Besonders „Nordsee“
kommt gut an, wir freuen uns über den „Rüdiklon“ und auch der „Zwiebelmett“-Chor kommt zum Einsatz. Bei „Blasenschwäche“ fängt neben mir ein Vater an, seine 11-jährige Tochter und
Nichte mit aller Gewalt abzulenken, damit die beiden bloß nicht auf den Text achten und so zu früh erfahren, was sie in dieser bösen Welt noch alles erwartet. Dann schon lieber mit „Hartz 4“ auf die zukünftige Berufssituation in Deutschland vorbereiten. Zu „Ich muss weg“ zückt Burger die Seifenblasenmaschine und verbreitet damit verträumte Stimmung, die schnell wieder durch laute Zugaberufe aufgelöst wird, als die Jungs sich verabschieden und verschwinden.
Natürlich wird der Wunsch des Publikums gern erfüllt und ein Zugabepart gespielt. Beim Herzblatthubschrauber hetzt Fred gegen Hannover, weil Hildesheim viel zu nett ist, Rüdi erklärt die Zugaben mit seiner Bühnensucht und Burger kommt um „Frösche“ nicht herum, nachdem es ausdrücklich gewünscht und erbettelt wurde. Auch die Klebefrösche fliegen wieder. Danach stimmen Frische Mische mit Dralledrinks noch auf die anschließende Aftershowparty in der KuFa ein und als die Zuschauer nach „4-Meter“ immer noch keine Ruhe geben, bändigt Totte sie mit Algerien.
Natürlich wie immer komplett unplugged mit lautlosem Applaus und Kreischen. Und man mag es kaum glauben, aber es klappt – trotz aller Unruhe, die es noch vor dem Auftritt und während des Soundchecks gab – und auch der Merchstand ist anschließend noch gut umlagert. Also ist doch noch alles gut geworden und wir freuen uns aufs Fährmannsfest.