Hannover ist lauter als Hamburg!

Feb 14th, 2008 | By | Category: Artikel, Musik

Monster of Liedermaching

Letzten Freitag gastierten die Monsters of Liedermaching, wie jedes Jahr im Frühjahr, wieder in Hannover. Und die heimische Fangemeinde bewies einmal mehr, dass Hannover einfach alles toppt und von Jahr zu Jahr ein größeres Highlight wird.

Als wir im Musikzentrum ankommen, laufen uns schon die ersten Monsters über den Weg, die wohl das Rauchverbot nach draußen zieht, vielleicht aber auch die Neugier – ist doch das Konzert schon lange ausverkauft und der Eingangsbereich bereits gut gefüllt. Drinnen sind allerdings noch viele Plätze frei und wir setzen uns in die erste Reihe, um hautnah dabei zu sein — erinnern wir uns doch noch zu gut an das Liedermachingfestival in Göttingen und wissen, dass da einiges an unglaublich guten neuen Songs auf uns wartet.

Monsters of Liedermaching

Irgendwann betritt Rüdi dann die Bühne und die Spannung steigt. Kriss – auf dem Flair offiziell zum Liedermaching-Ziehsohn ernannt – sorgt heute für das Vorprogramm. Es folgt also HipHop Liedermaching vom Feinsten. Mit seinen Songs wie „Fragewogen“, „Akustik HipHop“, „So viele Nummern“, „Gnadenkuss“ oder „Alles ist easy“ und seiner percussionfähigen Gitarre hat er das Publikum sofort auf seiner Seite und erntet dafür reichlich Applaus.

Damit ist dann der Startschuss gefallen und das Publikum ist heiß. Die ersten Monsterschöre werden lauter und als die sechs Extremliedermachings dann endlich auf die Bühne kommen, kocht die Stimmung schon, obwohl es gerade erst los geht. Rüdi beginnt etwas ruhiger mit „Sonntag“. Als Fred danach „Zu meiner Band“ spielt, wird schon deutlich, dass das Publikum heute sehr aufmerksam ist und bei den ruhigen Songs andächtig lauscht, während es bei den lauteren Songs sofort abgeht, was sich durch das ganze Konzert zieht.

Monsters of Liedermaching

Die Mitsingfrequenz ist durchgehend auf Höchstmaß. Wie erhofft gibt es einige neue Songs. Rüdi spielt „Quizmillionen“, und Burger präsentiert sein „Heimatlied“ über Bad Gandersheim. Auch ganz alte Stücke dürfen heute neu aufleben. Bei Fred zum Beispiel „Französische Kleinstadt“, bei Burger „Der Fisch“ mit einem perfekten Monsters-Gurgelchor, bei Totte „Häschen“, in dessen Rolle Lambada schlüpft, der anschließend von Fred brutal ermordet wird, worauf Rüdi dann das Erdmännchen übernimmt, das weit genug von Jäger Fred weg sitzt. Songs wie „Hartz 4“, „Walgesänge“ oder „Blasenschwäche“ haben sich inzwischen bestens ins Programm integriert und werden genau so mitgesungen und gegröhlt, wie die Lieder, die schon auf den beiden Monsteralben sind.
Damit auch die neuen Songs bald auf CD kommen, wird heute erstmals für das 3. Monsteralbum mitgeschnitten, was sich bei der Stimmung sicherlich als richtige Entscheidung herrausstellt. In die Pause geht es dann mit „Interesse ist gut“. Um die Stimmung in der Pause aufrecht zu halten, gibt es Die Ärzte vom Band. Es wird einfach weiter gesungen und weiter gefeiert, bis die Jungs irgendwann auf die Bühne zurückkehren.

Monsters of Liedermaching

Der zweite Part beginnt mit „Schlachter“ von Frische Mische. Totte trägt jetzt sein Mückenshirt, das ihm die Katja(s) aus dem Publikum im ersten Teil zugeworfen haben, damit er es passend zu seinem neuen „Mücken“-Song anziehen kann. „Werbung“ von Frische Mische wird, wenn auch mehr von den Männern, mitgesungen, Fred hat „Ich mag mich“ und „Nr. 2“ wieder ausgegraben und bei Rüdis „Weltklassemelodie“ verteilen die Konzertjunkies neben uns Wunderkerzen.

Monsters of Liedermaching

Auch seine neuen Songs „Ich bin nicht frei“ und „Hab Dich lieb“ werden frenetisch gefeiert. Als Burger dann „Nordsee“ anstimmt, schäumt die Stimmung langsam über, woraufhin Totte bei „Döner“ gleich die Gelegenheit aufgreift und Werbung für das neue Schrödersalbum, das ab heute auf dem Markt ist, macht. Bei „Schönheitschirurgie“ eskaliert dann alles. Vor zwei Jahren ist in Hannover die Regel Strophe: Sitzen, Refrain: Aufstehen entstanden, die jetzt weiterentwickelt werden muss. Nicht nur die wenigen Sitzreihen stehen im Refrain auf, auch das stehende Publikum setzt sich in der Strophe auf den Boden. Außerdem stürzt Totte sich in die Menge und crowdsurft zur Bühne zurück, wo er mehr oder weniger kopfüber zwischen Bierflaschen landet, nachdem er noch kurz vorher bei einem Surfer das verkehrte Landen bemängelt hat. Dann verabschieden sich die Jungs auch schon wieder.

Monsters of Liedermaching

Nach kurzer Pause und etlichen Zugaberufen kommt Burger auf die Bühne zurück und stimmt alleine „Blues“ an, der sofort Gänsehaut verbreitet. Anschließend spielt Fred „Marzipan“ und sorgt damit wohl für die lautesten Aaah-Chöre, die es bei einem Monsterskonzert je gab. Auch „DralleDinks.de“ wird heute komplett mitgesungen, Totte spielt „Türen“ und erfüllt somit endlich den Publikumswunsch, der schon seit Konzertanfang kursiert, zu „Trinkt mit mir“ gibt es Freibier für die erste Reihe und Burgers „Frösche“ singt das Publikum dann schon alleine und es fliegen wieder Gummifrösche.

Eigentlich ist das alles unglaublich, was hier passiert. Da sitzen nur ein paar Kerle mit Klampfen auf der Bühne und knapp 500 Fans feiern, wie bei einem erstklassigen Rockkonzert. Die Herren müssen sogar zugeben, dass Hannover lauter ist, als Hamburg, das ja eigentlich den entscheidenden Heimvorteil hat. Wer hätte gedacht, dass Liedermaching einmal solche Dimensionen annimmt? All die bösen Zungen, die immer noch behaupten, Liedermacher seien langweilig, müssten spätestens jetzt vom Gegenteil überzeugt sein.

Monsters of Liedermaching

Nach einem weiteren Abgang lassen die Publikumschöre natürlich immer noch nicht nach. Also geht’s wieder zurück auf die Bühne, zumindest für Fred und Pensen, die erstmal allein „Herzblatthubschrauber“ spielen, während der Rest noch rauchen ist. Nach einer Hassstadt, die in das Lied eingebaut wird, muss heute keiner mehr fragen. Bereits im Vorfeld wurde immer wieder auf den Braunschweigern rum gehackt und auch jetzt müssen die wieder dran glauben. Weiter geht es mit „SuSuSu“ inklusive unplugged Glockenspielsolo, für das das Publikum kurz wieder still wird. Vor „4 Meter“ üben sich Totte und Pensen in Impro-Ansagen, was total Absurde abdriftet und vielen vor Lachen die Tränen in die Augen treibt. Den Abschluss soll dann „Morgens um 8 bilden“, dessen Text heute nicht ganz passt — geht es doch um Leute in der U-Bahn, die heute in Hannover aber streikt. Als danach immer noch alle am Feiern sind, gibt es noch „Algerien“, wie immer unplugged, und auch das klappt — inklusive lautlosem Applaus und frenetischem Keuchjubel.

Monsters of Liedermaching

Dann ist allerdings wirklich Schluss. Zumindest offiziell. Auf der Bühne wird abgebaut und das Publikum schrumpft nach und nach. Allerdings lässt es sich Rüdi nach so einem Abend nicht nehmen, noch ein bisschen unplugged weiter zu spielen. Kaum ist das Musikzentrum etwas leerer, sitzt er auf der Theke uns spielt „Lieder ohne Text“. Danach gibt er im Vorbau noch mehr seiner neuen Songs zum Besten und lässt das Konzert schließlich mit „Frühling“ perfekt ausklingen.

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